Unter einer Tierarztpraxis stellen sich viele eine kleine, aber feine Praxis für die vier- oder zweibeinigen Lieblinge von Frauchen und Herrchen vor, wo neben Hunden und Katzen auch Mal ein Hase oder Meerschwein aufgrund von Beschwerden ärztliche Hilfe erfählt. Dann wird der Freund des Menschen mit moderner Medizintechnik und Medikamenten von seinem Leid befreit. Das geschieht meist im Beisein des Tielfreunds direkt im Behandlungszimmer des Veterinärs. Was aber tun, wenn ein Patient in der Größe eines ausgewachsenen Pferdes behandelt werden muss? Und dann auch noch so, dass die Behandlung unter Narkose vonstatten geht?
Die Tierarztpraxis Eichhäuser Hof im Bad Rappenauer Ortsteil Bonfeld hat sich auch auf die Behandlung größere Tiere eingerichtet. Dr. Almuth von Scheven ist routinierte Vererinärin, gerade wenn es sich um Pferde handelt. Um die bis zu 1000 kg schweren Vierbeiner auch im narkotisierten Zustand von der gepolsterten Einschlaf- und gleichzeitigen Aufwachbox in den Operationsraum zu transportieren, greift Dr. von Scheven auf einen Kleinkran zurück. Ein zehn Meter langer Stahlträger an der Decke des OP-Bereichs dient als Kranbahn für einen Elektro-Kettenzug Typ SKB mit einer Tragfähigkeit von 1000 kg der SWF Krantechnik GmbH, Mannheim. Die Stromzuführung findet per Flachkabel statt. Ein Balancer hält den Steuerschalter in einer für den Bediener gut erreichbaren Position. Mit einem Schiebefahrwerk lässt sich das angehängte Tier von dem i. d. R zweiköpfigen Operationsteam problemlos und schonend von einem Raum zum anderen bewegen. Die Montage sowie Wartung der Krananlage übernahm der Industrieausrüster Carl Stahl aus Neckarsulm im Rahmen einer Austauschaktion eines in die Tage gekommenen Kettenzugs.
Im Eichhäuser Hof stehen neben dem OP-Bereich acht weitere Boxen zur stationären Behandlung von Pferden zur Verfügung. Im Falle eines operativen Eingriffs wird der Patient in einer speziell gepolsterten Box narkotisiert. Der Boden dieses Bereichs ist mit rutschhemmenden Gummimatten belegt, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Nachdem die Narkose wirkt, wird das Tier mit Lastschlingen an den Fesseln gesichert und sanft angehoben. Diese, auf den ersten Blick schmerzhafte Behandlung, ist in Wirklichkeit eine schonende Methode, um ein schlafendes Tier zu bewegen. Nach dem Transport in den Operationsraum wird das Pferd auf dem höhenverstellbaren OP-Tisch abgelegt und behandelt. Nach dem Eingriff wiederholt sich der Transportvorgang zurück in die gepolsterte Box, wo das Tier unter ständiger Beobachtung aus der Narkose aufwacht. Das Team um Dr. von Scheven behandelt mithilfe dieses Transportsystems durchschnittlich zwei Pferde pro Woche.